Im Zeichen von blauem V und rotem S

Genobank und Sparkasse teilen sich in Bad Wörishofen - Gartenstadt eine SB-Filiale

Bad Wörishofen, 10.10.2019

In der Wörishofer Gartenstadt machen Sparkasse und Genossenschaftsbank vor, wie die Zukunft der Dienstleistung aussehen könnte: seit einer guten Woche teilen sich die beiden Bankhäuser eine Filiale, Geld kommt aus einem gemeinsamen Automaten, für Überweisungen oder Kontoauszüge muss man der Farbe zum Terminal folgen. Eine Premiere für beide Geldhäuser im Allgäu.

In dem etwa 30 Quadratmeter großen Raum herrscht ein reges Treiben, die Kunden geben sich quasi die Türklinke in die Hand: Geld abheben, Kontoauszüge ziehen oder einen Dauerauftrag einrichten. Der eine oder andere Kunde wendet sich noch kurz an die Herren mit den blauen oder roten Krawatten, die synonym für die Bank stehen, doch im Prinzip spricht die Einrichtung der neuen gemeinsamen Servicefiliale der Genossenschaftsbank Unterallgäu und der Sparkasse Memmingen-Lindau-Mindelheim ein deutliche Sprache. Nur die Beschriftung fehlt noch: Roter Bereich Sparkasse, blauer Genobank.

Und nachdem der Geldautomat mit einer blau-roten Wand abgeschirmt wird, können die Kunden beider Banken hier kostenlos Geld ziehen. „Es ist für alle der effizienteste Weg“, sagt Bernd Ansorge, Regionalleiter der Sparkasse. So seien beide Banken vor Ort und, betont Ansorge, „wir wollen vor Ort bleiben“. Insbesondere im SB-Bereich sei das Nutzen einer gemeinsamen Filiale der beste Weg. Und natürlich spielen die Kosten eine Rolle, es gehe schließlich um das Geld der Kunden. Und sein Kollege Ingo Brömmelmeier ergänzt, dass, wenn man bleiben wolle, man „den Spagat schaffen muss zwischen betriebswirtschaftlichen Belangen und der Nahversorgung“. Die ist tatsächlich für die Kunden ein bisschen besser geworden.

Gut eineinhalb Jahre liegen nun hinter Brömmelmeier und Ansorge. Seinerzeit war man wegen einer möglichen Zusammenarbeit ins Gespräch gekommen. Ein Jahr habe es gedauert, die Formalitäten zu klären. Ein mögliches Hindernis hätte etwa ein weiteres Bankhaus sein können, das durch die Zusammenarbeit benachteiligt worden wäre. So aber ist die neue Filiale, ein Nebenraum der ehemaligen Metzgerei, nun ein Schritt in die Zukunft und zur Sicherung des Standortes, wie Brömmelmeier meint. Denn aufgrund des demografischen Wandels, vor allem aber durch die Digitalisierung, sei eine Auslastung einer normalen Servicefiliale kaum mehr möglich, so Ansorge. So aber habe man nun eine Win-win-situation, bleibe vor Ort präsent und könne die Kunden beider Häuser weiterhin mit Serviceleistungen und Bargeld versorgen.

Von Links: Michael Scharpf mit Bernd Ansorge, Roland Heim, Eva Wiblishauser und Ingo Brömmelmeier bei der Spendenübergabe für den neuen Brunnen bzw. Platz vor der SB-Filiale

Verschönerer profitieren

Ganz neu ist diese Form der Zusammenarbeit aber nur für die beiden Geldhäuser. In Frankfurt etwa, wissen Brömmelmeier und Ansorge, gebe es Filialen, die tageweise von der einen oder anderen Bank bedient werden: dort überschneidet sich das Versorgungsgebiet, liegen die Filialen doch direkt nebeneinander. Da sei dann die Zusammenlegung ein konsequenter Weg gewesen. Und auch die gemeinsame Versorgung bzw. Nutzung eines Geldautomaten durch mehrere Geldhäuser ist deutschlandweit schon gang und gebe.

Und der Standort in der Zugspitzstraße bringt noch ein weiteres Plus: Es gibt eine Zukunft für den kleinen Platz vor der Bäckerei bzw. Bank-Filiale. Der desolate Brunnen und vor allem das Loch, das den Platz derzeit ausmacht, sollen weg. Stattdessen plane der Verschönerungsverein einen neuen Brunnen nach den fünf Säulen der Kneippschen Lehre, erklärte Michael Scharpf. Nachdem feststand, wie es in dem Gebäude weitergehe, habe es entsprechende Spenden gegeben – schon jetzt könne der Verein einen fünfstelligen Betrag verbuchen, so Scharpf. Umso mehr freut sich der Vorsitzende des Vereins über die gemeinsame Spende der beiden Bankhäuser, die je 500 Euro zu dem Brunnenprojekt zuschossen.

Im Frühjahr soll es losgehen mit den Baumaßnahmen. Und der Verschönerungsverein hat auch in der Servicefiliale mitgeholfen. Eine Bilderkollage ziert die Wand und zeigt die Entwicklung der Gartenstadt vom Militärflugplatz in den 1940er Jahren über den Siedlungsbau der Nachkriegszeit. Auch die Bankhäuser und ihre Anfänge sind zu sehen.

Oliver Sommer, Wochenkurier