Mit langem Atem zum Vermögen

Mindelheimer Zeitung, 09.02.2022

Geldanlage Eltern und Großeltern sollten einfache Strategien wählen, wenn sie dem Nachwuchs ein Finanzpolster aufbauen wollen. Schon bei der Kontoeröffnung stellen sich die ersten Fragen.

Ein Auslandsjahr nach dem Abitur, der Führerschein oder sogar schon ein Grundstein für die Rente: Viele Eltern und Großeltern wollen den Nachwuchs mit einem finanziellen Polster dabei unterstützen. „Egal wofür sie sparen, sie sollten so früh wie möglich damit anfangen“,
rät Stefan Adam, Finanzberater der Verbraucherzentrale in Niedersachsen. Beim Investieren für
den Nachwuchs gibt es einen Vorteil: die Zeit. Kinder erhalten das Geld in der Regel erst in etwa 18
Jahren. Bei den nach wie vor niedrigen Zinsen ist ein solch langer Anlagehorizont hilfreich, um auf größere Beträge zu kommen.

„Dafür ist es sinnvoll, auch für Kinder in Aktien zu investieren“, sagt Adam. Denn derzeit gibt es nur
dort die Chance auf eine ordentliche Rendite. Und über einen ausreichend langen Zeitraum sinkt auch das Risiko eines solchen Investments. Börsencrashs lassen sich aussitzen. Eine Auswertung des Deutschen Aktieninstituts zeigt: Schon nach einer Anlagedauer von 15 Jahren waren Anleger immer im Plus, wenn sie etwa in den Deutschen Aktienindex (Dax) investierten.

Hier wichtige Fragen und Antworten zum Thema:

Welche Produkte eignen sich?
Bei der Geldanlage sollten es Sparerinnen und Sparer möglichst einfach halten, das gilt erst recht, wenn für den Nachwuchs gespart werden soll, empfiehlt Stefan Adam. Er rät zu einer Investition in sogenannte ETF. Das sind Aktienfonds, die einen Aktienindex nachbilden. Sie sind unkompliziert
und günstig. Gut geeignet ist ein ETF auf einen weltweiten Aktienindex, etwa auf den MSCI
World. Laut Stiftung Warentest hat ein solcher ETF in den vergangenen 20 Jahren eine durchschnittliche jährliche Rendite von knapp sieben Prozent erzielt – und das trotz Crash
während der Finanzkrise. Wer für den Nachwuchs bereits etwas Geld zurückgelegt hat, kann das auf einen Schlag in Fonds investieren. Für regelmäßiges Sparen eignet sich ein
ETF-Sparplan. Viele Broker und Banken bieten diese schon ab 25 Euro im Monat an.

Wem soll Konto oder Depot gehören?
Bevor es mit dem Sparen losgeht, müssen Eltern sich Gedanken machen. Sollen Konto und Depot dem Kind gehören? Oder richten sie eines auf ihren eigenen Namen ein, sparen dort aber für den Nachwuchs? Die Folgen dieser Entscheidung sind nicht zu unterschätzen. „Ist der Nachwuchs der Kontobesitzer, dann gehört auch das Ersparte dem Kind“, sagt Dirk Stein. „Eltern sind bis zum 18. Geburtstag lediglich verfügungsberechtigt. Sie dürfen das Geld nur für das Kind ausgeben“,
erklärt der Verbraucherexperte beim Bundesverband deutscher Banken. Abhebungen, um etwa finanzielle Engpässe der Eltern zu überwinden, sind also tabu. Der Vorteil dieser Variante ist, dass Kinder bei der Steuer ihren eigenen Sparerfreibetrag haben. „Gerade wenn die Verwandtschaft mitspart, kommen schnell größere Beträge zusammen, die Erträge abwerfen“, sagt Stein. „Mit ihrem eigenen Freibetrag müssen Kinder dann keine Steuern darauf zahlen.“ Aus steuerlicher
Sicht sei diese Variante am sinnvollsten. Legen Eltern dagegen auf ihren eigenen Namen Geld für
den Nachwuchs weg, zählen die Erträge zu ihrer Steuerschuld dazu. Der Vorteil ist aber, dass sie die Kontrolle über das Ersparte haben, auch wenn das Kind volljährig wird. Wer also befürchtet, dass Sohn oder Tochter mit 18 Jahren das Geld verjubelt, kann diese Variante wählen.
Zusätzlich hilft das beim Bafög-Antrag: Damit Studierende Anspruch auf die Förderung haben, dürfen sie derzeit kaum Vermögen besitzen.

Worauf müssen Großeltern achten?
Auch Großeltern haben die Wahl, auf wessen Namen das Konto laufen soll. Möchten sie allerdings für das Enkelkind ein Konto eröffnen, bedeutet das ganz schön viel Papierkram, sagt Stein. Denn die Eltern müssen dem zustimmen, bei der Eröffnung sogar anwesend sein oder eine Vollmacht für das Postident-Verfahren ausstellen. Er plädiert deshalb dafür, es lieber einfach zu halten: „Am besten eröffnen die Eltern ein Konto für das Kind, darauf kann jeder Verwandte Geld einzahlen.“

Was passiert, wenn das Kind volljährig ist?
Sofern das Konto oder Depot dem Kind gehört, kann es ab diesem Zeitpunkt mit dem Geld machen, was es will. Lief das Konto dagegen auf die Eltern, müssen sie es dem Nachwuchs per Schenkung übertragen. Steckt das Ersparte in ETF, müssen sich Eltern überlegen, was damit passieren soll. Am einfachsten ist es, wenn der Nachwuchs ab dann selbst das Ruder übernimmt und einfach weiterspart. Dann bilden die bisher gekauften Anteile das Fundament des künftigen Vermögens. Soll dagegen zum 18. Geburtstag ein gewisser Geldbetrag verfügbar sein, etwa um einen Auslandsaufenthalt zu bezahlen, müssen sie schon früher aktiv werden. „Dann sollten Eltern
etwa fünf Jahre vorher anfangen umzuschichten und das Geld sicher anzulegen“, rät Adam. Auch
hier empfiehlt er, praktisch vorzugehen. „Am besten verkauft man einfach pro Jahr ein Fünftel der Anteile und schiebt das Geld auf ein Tagesgeldkonto. Dann ist es verfügbar, wenn der Nachwuchs es braucht.“ Und niemand muss sich Gedanken machen, wann der beste Zeitpunkt zum Verkaufen ist.


                                                                               Quelle: Mindelheimer Zeitung / 09.02.2022           

 

Das Erreichte weitergeben an die, die uns am Herzen liegen.

Sie sind stolz auf das, was Sie im Leben erreicht haben. Auch, wenn es um Ihre Geldanlage geht. Denn Geld anlegen war für Sie nie reiner Selbstzweck. Sie möchten etwas an die Menschen weitergeben, die Ihnen am Herzen liegen.

Wir beraten Sie gerne!